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Samstag, 21. November 2015

de Berlin à Paris, 14 novembre 2015

La violence, même à distance, a suscité un stade psychique chez moi comme le dernière fois à Jérusalem: fragilisé et en connexion ( connecté / relié au monde extérieur, ‘attacks on linking’, comme l'écrit Bion, où le sens de la réalité n’est pas plus allié sûrement avec l’affectivité. À Jérusalem, lorsque je demandais quelque chose à une personne inconnue, elle réagissait  après un moment de pause, comme pour retrouver la réalité, et après se montrait très aimable . 
Est-ce possible que des personnes sur l’impression du terrorisme commencent à avoir peur de leur propre agressions (les agressions constructives pour réguler l’identité), et ainsi aussi peur de leur individualité? 
Un rêve que j’ai eu après un attentat là-bas dont je me souviens encore: je sortais d'une maison, et dans la rue, je pensais immédiatement : “chaque personne a besoin d'en embrasser une autre quelque fois et d’être embrassée quelquefois”. En même temps, j’ai peur si je tentais  cela, qu'on puisse me confondre avec un assaillant sur le point d'attaquer au couteau. je suis glacé/pétrifié de peur, un temps, jusqu’à ce que mon regard tombe sur une affiche dans le style des années soixante, avec un titre comme “12 positions légitimes d’embrasser” et des dessins avec les positions, comme à l'image des affiches de protection civile lors d’une guerre atomique. Je suis soulagé, mais pas  vraiment. 

Dans Le Monde du week-end dernier (07/11/15), une conversation/interview avec Svetlana Alexievitch:
“Les gens étaient doubles, à l’époque. Ils étaient prêts à faire la queue pour acheter des recueils de poèmes d’Anna Akhmatova. Mais c’étaient les mêmes qui écrivaient des dénonciations, qui étaient surveillants dans les camps.”
Les assaillants de ce matin, est--ce qu'ils étaient doubles, eux aussi?

Mais, peut-on penser que ça puisse marcher sans dédoublement?


Berlin et Ginosar, 26/11/15 (Merci á Chantal Niebisch)



KOMMT ÜBERHAUPT NICHT IN FRAGE


„Die Phrase „Kommt überhaupt gar nicht in Frage“, die im Berlin der zwanziger Jahre aufgekommen sein dürfte,ist potentiell schon die Machtergreifung. Denn sie prätendiert, dass der private Wille, gestützt manchmal auf wirkliche Verfügungsrechte, meist auf bloße Frechheit, unmittelbar die objektive Notwendigkeit darstelle, die keinen Einspruch zuläßt. Im Grunde ist es die Weigerung des bankerotten Verhandlungspartners, dem andern einen Pfennig zu zahlen, im stolzen Bewußtsein, dass es bei ihm ja doch nichts mehr zu holen gibt. Der Trick des betrügerischen Advokaten tut sich großmäulig als heldische Unbeugsamkeit auf: sprachliche Formel der Ursupation. Solcher Bluff definiert gleichermaßen den Erfolg und den Sturz des Nationalsozialismus.“   (Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Reflexionen aus dem beschædigten Leben, Suhrkamp, Frankfurt, 1951/ 2001, S. 199f.)   


Sonntag, 4. August 2013

Werner Melchior testifying at the Eichmann trial on the rescue of the Danish Jewry [Deborah E. Lipstadt: The Eichmann Trial]


„There was little relief from the familiar story line: an overwhelmed Jewish population poised against an Eichmann-devised deportation system fully committed to ensnaring every Jew. Then into this unrelenting saga of grief and terror came a brief moment of emotional respite. Werner Melchior, son of Denmark‘s chief rabbi, described the rescue of Danish Jewry. He related how bishops, ambulance drivers, fishermen, housewives, neighbours, and strangers facilitated the escape of these seven thousand Jews–almost the entire Danish Jewish community–to Sweden. Shortly before being ferried across the strait, Melchior, demonstrating what some might consider an aggravated sense of responsibility, went to the university to return library books. At the entrance, students whom he knew in passing stopped him. ””In case there is anything at all which you think we can reasonably do…you can get in touch with us.”” This, Melchior testified, happened not once but twice in the space of ten minutes. ””During the preceding three and a half years of the occupation, there was not a single moment when the population was united so closely together”” as during the rescue of the Jews. (After this rescue it was Eichmann who was dispatched to Denmark to determine precisely how this had happened and to prevent it from occurring again someplace else.) At last, into this Jerusalem courtroom, had come the uplift for which so many had thirsted. Haim Gouri described it as ””artificial respiration.”” Jews in the courtroom were reminded that they had not been completely abandoned. One woman was weeping. Asked why she was crying now: ””I cry whenever someone is kind to me.””„


[Deborah E. Lipstadt: The Eichmann Trial, New York, Schocken, 2011, pp. 86-87]

Dienstag, 25. Juni 2013

Achim Perner ✝ 19. Juni 2013

„Es ist das Privileg des Menschen, das An-sich des Realen, des schieren
Seins, in ein Für-mich zu verwandeln. Das Reale ist ihm dadurch
unerkennbar geworden, aber entgehen kann er ihm nicht. Das Reale ist das
Anstößige.“ (Achim Perner)

Wir trauern um

Achim Perner

der am 19. Juni 2013 nach einem langen mutigen Kampf mit seinem
„Feind“ - dem Krebs – im Alter von 60 Jahren gestorben ist.

Achim Perner - ein Gelehrter – blieb mit seiner großen geistigen Kraft
und Menschlichkeit bewusst außerhalb der akademischen Bahnen. Als
außergewöhnlich profunder Kenner der psychoanalytischen, philosophischen
und geisteswissenschaftlichen Schriften, sowie der Kunst und der Musik, war
er getrieben vom Drang, die Dinge, die vom Realen zeugen, im Benennen
korrekt zu erfassen. Deshalb ertrug er keine Phrasen, war unerbittlich
präzise und suchte diese Präzision auch im Gespräch mit Kollegen und
Freunden. Davon haben viele profitiert, auch wenn mancher Austausch nicht
immer einfach war. Seine Aufsätze und Vorträge werden jedoch bleiben.

Achim Perner war nicht nur ein „Forscher“ und Lehrer der Psychoanalyse,
ein führender Autor der Psychoanalytischen Sozialarbeit, sondern
gleichzeitig ein begnadeter Praktiker. Als Pädagoge wusste er sein Wissen
einzusetzen, um den zumeist jungen Menschen am Rande ihres
Scheiterns und deren oft verzweifelten Eltern, Erziehern und Lehrern zu
helfen. Gestützt auf die Psychoanalyse Lacans und durch eine kritische
Aufnahme einer großen Palette anderer Theorien und Techniken, war er vor
allem ein Arbeiter im Sozialen. Unermüdlich war er bestrebt mit seinem
fachlichen Können autistische, psychotische, behinderte, deviante und
sexuell missbrauchte Kinder, Jugendliche und Erwachsene in ihrer Not ebenso
aufzufangen, wie Sexualstraftäter und Menschen, die nach schweren
Gewalttaten in Haft waren.

Achim Perner fand in den unterschiedlichsten Situationen im rechten
Augenblick Worte, die dem innersten Sein sensibel entsprachen, da er selbst
die Härten des Lebens bereits als Kind schmerzlich erfahren hatte.

In tiefer Dankbarkeit verabschieden sich

Kollegen und Freunde



Die Trauerfeier und anschließende Beisetzung findet am Freitag, dem 5.
Juli um 9:00 Uhr in Berlin auf dem Friedhof an der Berliner Straße in
Wilmersdorf statt.

Montag, 24. Juni 2013

Die extime Oberfläche der á-la-mode – die Insistenz der Brigitte Reimann





Ich habe die Photographie in diesem Blog auf s/w umgestellt, plötzlich Sehnsucht nach der F.A.Z., die am 1. März 2007 zu meinem Bedauern damit begonnen hatte, „die Farbrezeptoren ihrer Netzhaut zu trainieren“, so wie sie vorher war.

Ich lese nun zum zweiten Mal Brigitte Reimanns Tagebücher aus der Hoy(erswerda)-Zeit, und in diesem Durchgang fällt mir die verzweifelte und aggressive Note in ihrer Produktivität zum ersten Mal deutlich auf – nicht daß es an solchen Momenten inhaltlich ermangeln würde, wäre er nicht schon auf der Welt gewesen, hätte man den Terminus man-eater für sie erfinden müssen, aber bislang lösten diese Momente wohl auch in mir aus, was sie in vielen Männern ausgelöst haben mag – einem wird es gelingen, diese radikale Freiheit, sich zu nehmen und sich zu trennen, langfristig festzuhalten, zu befriedigen und so befriedigt zu werden. Schwer, als Gegenüber da nicht vom Schwindel befallen zu werden, wo sie so ganz beim Anderen sein konnte:

„Heute morgen ist Daniel aus dem Krankenhaus zurückgekommen, noch ein bißchen matt und mit schlimmen Rückenschmerzen. Gestern hatte er mir gesagt, er sei gründlich untersucht worden, sein Herz und seine Lunge seien gesund. Als ich heute früh aufwachte, dachte ich froh und erleichtert: Gott sei Dank, mein Herz und meine Lunge sind gesund. Viel später erst wurde mir bewußt, daß es Daniel betraf.“ (Ich bedaure nichts, S.195)

(Foto: Allenby/ HaCarmel in Tel Aviv)




Tel-Aviv, Allenby/ HaCarmel


Dienstag, 15. Januar 2013

Søren Kierkegaard 1813 - 2013


„Berlin d. 10. Mai 1843
Am Tag nach meiner Ankunft ging es mir so schlecht, dass ich beinahe in die Knie gegangen wäre.
In Stralsund wäre ich beinahe verrückt geworden, als ich ein junges Mädchen oben Fortepiano spielen hörte, unter anderem auch Webers letzten Walzer. Letztes Mal, als ich in Berlin war, war dies das erste Stück, das mich im Thiergarten empfing, vorgetragen von einem Blinden, der auf der Harfe spielte.…“


„Es ist ganz richtig, was die Philosophie sagt, dass das Leben rückwärts verstanden werden muss. Aber darüber vergisst man den anderen Satz, dass es vorwärts gelebt werden muss.“


[Ausgewählte Journale, Band 1, Berlin: De Gruyter, 2013]




Hanns Zischler, Heiko Schulze und Markus Kleinert (http://www2.uni-frankfurt.de/42806719/kierkegaard-edition) am 15. Januar 2013 im Fælleshus der Nordischen Botschaften in Berlin. 

Freitag, 13. April 2012

nach Søren Ulrik Thomsen


nach Søren Ulrik Thomsen, für Gundula Schulze-Eldowy.

Liebend einst so die Traumworte
meine apokryphen Lexika ein Halt
von dem ich auszog zu den Ufern
der Weichsel, Donau und Moldau
nur um den schönsten der Namen zu finden.
Zerzaust und besonnen brachte ich zurück:
jenes Gefäß für des Alphabets Sturzflut.

Jeden Brief der mir zufällt wollte ich deuten,
bis ich sah:
Des Tageslichts Zeichen sind am schwersten zu lesen.
Die Nachtschatten laß’ dort sein,
wo der wilde Vogel fliegt, ohnehin.
Setze dich ans Ufer und sieh, das erleichtert
oder drehe Dich einmal um im Gehen,
im Rücken: der Spiegel der Welt:
eine Anzahl Sonette auf Seen.


(meine Nachdichtung)

Pia Tafdrup, Over Vandet går jeg.

Én tilstand er fælles for både mænd og kvinder, når det gælder seksualitet og kunst: Dét øjeblik, hvor integritet og personlighed brydes ned. I seksualiteten, når man nærmer sig dyret, i kunsten dét sted, hvor det skrivende jeg gennemtrænges og fyldes helt, der hvor jeg'et er uden ansigt.

Søren Ulrik Thomsen


Nicht mit unserer Einwilligung sind wir geboren,
und Sterben ergibt keinen Sinn.
Es ist ganz überflüssig
aber streng notwendig
im Eis eine Wunde offenzuhalten,
sich zu verkriechen und einander zu küssen - 
die Leuchte des Raumschiffs um den Erdball kreisen
und die Handschrift übers Papier laufen zu lassen
in einer Geste auf Lebenshöhe.


(aus dem Dänischen von Hanns Grössel, courtesy of F.A.Z. vom Tage)

Samstag, 31. März 2012

Uwe Johnson, Jahrestage

"Es war Gesine, die am nächsten Morgen das Telefon hörte. Es war nicht der Apparat, der der an das Binnennetz des Wasserstraßenamtes angeschlossen war, sondern der von der Reichspost. Sie kam eben in die Tür des Büros, als Martin Niebuhr den Hörer an Cresspahl weitergab. Es war gegen sechs Uhr morgens am 10. November. Meine Mutter war schon eine Stunde lang tot.

(Jahrestage, Ffm. 2000, S. 652)

Montag, 26. März 2012

Anne-Lise Stern, Biographie

  • SCHRIFTEN
  • Un lapsus de SS. Nouvel Observateur vom 3.6.1969 + in Stern, Le savoir-déporté, 2004
  • Passe - du camp chez Lacan. Passe - Vom Lager zu Lacan. In J. Prasse und C.-D. Rath (Hg.): Lacan und das Deutsche. Die Rückkehr der Psychoanalyse über den Rhein. Freiburg 1994, 203-216
  • "Mending" Auschwitz, through psychoanalysis? Strategies. Journal of theory, culture
  • and politics Nr. 8, 1995/96
  • La France hospitalière - Drancy avenir. Essaim Nr. 1, 1998, 139-149
  • Früher mal ein deutsches Kind...passée du camp chez Lacan. Versuch einer Hinübersetzung. Berliner Brief Nr. 2, 1999
  • Point de suture [Über den Film "La vie est belle" von R. Benigni]. Carnets de l'Ecole de psychanalyse Sigmund Freud Nr. 21/22, 1999
  • Psychanalyste après Auschwitz. Essaim Nr. 4, 1999
  • Le savoir-déporté. Camps, histoire, psychanalyse. Paris 2004; 2007

  • LITERATUR UND LINKS
  • Broudic, Jean-Yves: Naître après. À propos du livre: "Le savoir-déporté. Camps, Histoire, Psychanalyse", par Anne-Lise Stern. freud-lacan.com 2007 (9.4.2008)
  • Dorland, Michael: Psychoanalysis after Auschwitz? The "Deported Knowledge" of Anne-Lise Stern. Other Voices 2 (3), 2005 (30.8.2010)
  • Fresco, Nadine, und Martine Leibovici: Entendre. Une vie à l'œuvre. In Anne-Lise Stern: Le savoir-déporté. Paris 2004
  • Millot, Catherine: Présentation du livre d'Anne-Lise Stern: Le savoir-déporté. Essaim Nr. 13, 2004, 179-184
  • Roudinesco, Elisabeth: Histoire de la psychanalyse en France, Bd. 2: 1925-1985. Paris 1986; 1994 [Jacques Lacan & Co. A History of Psychoanalysis in France, 1925-1985. Chicago 1990]

  • FOTO aus Stern, Le savoir-déporté, 2007
Quelle: http://www.psychoanalytikerinnen.de/frankreich_biografien.html#Stern

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Dienstag, 6. März 2012

Eric Laurent,Lost in Cognition

Eric Laurent,Lost in Cognition, p. 10:
„Certain psychanalyste encouragent leurs collègues á suivre la même voie que la psychologie. Il y aurait de la place, dans la diversité des modèles de cognition pour les processus inconscients freudienne. Certains pensent que le temps est venu de la traduction des processus subjectifs en termes de réseau neuronal. Telle est l'erreur de théoricien du cognitivisme, mais aussi celledes partisans de la psychanalyse cognitivist, qui pensent que les neuroscience ne feront en fait que confirmer les découvertes freudienne et lacanienne.

Lacan, Sem. 17

Heben wir unterdes hervor, daß in der Struktur des sogenannten Diskurses des Analytikers dieser, Sie sehen es, zum Subjekt sagt: »Nur zu, sagen Sie alles, was Ihnen durch den Kopf geht, und sei es auch noch so gespalten, und bewiese es auch noch so offensichtlich, daß Sie entweder nicht denken oder [123] überhaupt nichts sind, das geht, was Sie produzieren, wird immer zulässig sein«.
Seltsam. Seltsam aus Gründen, die wir zu bestimmen haben werden, die wir aber schon jetzt skizzieren können.
Auf der oberen Zeile der Struktur des Diskurses des Herrn haben Sie eine grundlegende Beziehung sehen können, die, um uns rasch auszudrücken, diejenige ist, die das Band des Herrn mit dem Knecht ausmacht, vermittels dessen, Hegel dixit, der Knecht ihm mit der Zeit seine Wahrheit beweisen wird – vermittels dessen auch, Marx dixit, er die ganze Zeit damit beschäftigt sein wird, seine Mehrlust zu schüren.
Warum schuldet er diese Mehrlust dem Herrn? Das genau ist getarnt. Was auf der Ebene von Marx getarnt ist, das ist, daß der Herr, dem diese Mehrlust geschuldet ist, auf alles verzichtet hat, und zuvörderst aufs Genießen, weil er sich dem Tod ausgesetzt hat und weil er in dieser Stellung, die Hegel klar artikuliert hat, ganz fixiert bleibt. Zweifellos hat er den Knecht der Verfügung über seinen Körper beraubt [privé], das aber ist ein Nichts, denn er hat ihm das Genießen gelassen.
Wie gerät das Genießen in den Zugriff des Herrn?


Freitag, 2. März 2012

Marie-Claire Lambotte MANIE /in: Kaufmann, Pierre, L'apport freudien, pp. 296

Es ist also nicht nur gestattet, sondern sogar geboten, eine analytische Aufklärung der Melancholie auch auf die Manie auszudehnen. Freud, T.u.M.
Marie-Claire Lambotte
MANIE /in: Kaufmann, Pierre, L'apport freudien, pp. 296

„La Manie n'a pas d'autre contenu que la mélancholie.“ (Freud, Trauer und Melancholie)

Hervorgebracht in Berührung mit der manisch-depressiven Psychose und der Melancholie, bildet die Manie die invertierte Phase dieser beiden Erkrankungen, die man mit Freuds Figur eines „Triumph des Ich“ benennen könnte. Ganz im Gegensatz zum depressiven Zustand präsentiert sich die Manie als Zustand der Exaltation des Kranken, der sich sehr für alles,
[297]
was vor seinen Augen geschieht, interessiert, ohne sich dabei auf ein besonderes der Individuen oder Dinge konzentrieren zu können. Die Ideen fliegen eine um die andere vorbei, ohne sich von der Aufmerksamkeit meistern zu lassen (suite incessante d'idées), eine um die andere und ohne Distinktion. Es war Binswanger, der in einer Artikelserie (erschienen in Archive suisses von 1931-1933) die fuite des idées als Kernsymptom der Manie herausgearbeitet hatte,
Gemeinsam mit dem melancholischen Subjekt erweckt das manische den Eindruck jener „Nivellierung“ von Dingen wie Menschen, manque de relief, Devitalisierung der Welt – in jener Geschwindigkeit und Beliebigkeit (volatilité) von einer zur anderen Idee, ohne einer beliebigen einen bestimmten Wert beizumessen. Mit anderen Worten, während es scheint, es (S) sei an allem interessiert, interessiert es sich in Wirklichkeit für ganz und gar Nichts, lässt die Assoziationen nach einer regressiven Logik (Gleichklänge, Kontigenzen) aufeinander folgen.

Ohne Zweifel ist diese Labilität der Aufmerksamkeit der Ähnlichkeit geschuldet, die der manische Rapport mit dem melancholischen aufweist: das Besetzungsobjekt kann nicht in eine veritable (véritable) Verbindung mit dem Sujet de Manie eintreten, sondern erledigt dies in einer Art „Kontaktbulimie“ (boulimie de contacts), innerhalb derer sich einer vom anderen nicht hinreichend abheben//unterscheiden kann. 

Auch die Manie, wenn man sie hier als eine Verlängerung der Melancholie ansehen möchte, bietet keine Auf/lösung, sondern vielmehr eine Variante des gleichen psychopathologischen Komplexes, dessen Originalität auf einen Effekt der „Befreiung des Ich“ beruht.1
1„maîtriser ou écarter le complex princ. de la mélancholie“ (Aktivum vom Übers.)