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Mittwoch, 30. Januar 2013
Dienstag, 15. Januar 2013
Søren Kierkegaard 1813 - 2013
„Berlin d. 10. Mai
1843
Am Tag
nach meiner Ankunft ging es mir so schlecht, dass ich beinahe in die
Knie gegangen wäre.
In
Stralsund wäre ich beinahe verrückt geworden, als ich ein junges
Mädchen oben Fortepiano spielen hörte, unter anderem auch Webers
letzten Walzer. Letztes Mal, als ich in Berlin war, war dies das erste
Stück, das mich im Thiergarten empfing, vorgetragen von einem
Blinden, der auf der Harfe spielte.…“
„Es
ist ganz richtig, was die Philosophie sagt, dass das Leben rückwärts
verstanden werden muss. Aber darüber vergisst man den anderen Satz,
dass es vorwärts gelebt werden
muss.“
[Ausgewählte Journale, Band 1, Berlin: De Gruyter, 2013]
Hanns Zischler, Heiko Schulze und Markus Kleinert (http://www2.uni-frankfurt.de/42806719/kierkegaard-edition) am 15. Januar 2013 im Fælleshus der Nordischen Botschaften in Berlin.
Montag, 31. Dezember 2012
Montag, 23. April 2012
Freitag, 13. April 2012
nach Søren Ulrik Thomsen
nach Søren Ulrik Thomsen, für Gundula Schulze-Eldowy.
Liebend einst so die Traumworte
meine apokryphen Lexika ein Halt
von dem ich auszog zu den Ufern
der Weichsel, Donau und Moldau
nur um den schönsten der Namen zu finden.
Zerzaust und besonnen brachte ich zurück:
jenes Gefäß für des Alphabets Sturzflut.
Jeden Brief der mir zufällt wollte ich deuten,
bis ich sah:
Des Tageslichts Zeichen sind am schwersten zu lesen.
Die Nachtschatten laß’ dort sein,
wo der wilde Vogel fliegt, ohnehin.
Setze dich ans Ufer und sieh, das erleichtert
oder drehe Dich einmal um im Gehen,
im Rücken: der Spiegel der Welt:
eine Anzahl Sonette auf Seen.
(meine Nachdichtung)
Pia Tafdrup, Over Vandet går jeg.
Én tilstand er fælles for både mænd og kvinder, når det gælder seksualitet og kunst: Dét øjeblik, hvor integritet og personlighed brydes ned. I seksualiteten, når man nærmer sig dyret, i kunsten dét sted, hvor det skrivende jeg gennemtrænges og fyldes helt, der hvor jeg'et er uden ansigt.
Søren Ulrik Thomsen
Nicht mit unserer Einwilligung sind wir geboren,
und Sterben ergibt keinen Sinn.
Es ist ganz überflüssig
aber streng notwendig
im Eis eine Wunde offenzuhalten,
sich zu verkriechen und einander zu küssen -
die Leuchte des Raumschiffs um den Erdball kreisen
und die Handschrift übers Papier laufen zu lassen
in einer Geste auf Lebenshöhe.
(aus dem Dänischen von Hanns Grössel, courtesy of F.A.Z. vom Tage)
Samstag, 31. März 2012
Uwe Johnson, Jahrestage
"Es war Gesine, die am nächsten Morgen das Telefon hörte. Es war nicht der Apparat, der der an das Binnennetz des Wasserstraßenamtes angeschlossen war, sondern der von der Reichspost. Sie kam eben in die Tür des Büros, als Martin Niebuhr den Hörer an Cresspahl weitergab. Es war gegen sechs Uhr morgens am 10. November. Meine Mutter war schon eine Stunde lang tot.
(Jahrestage, Ffm. 2000, S. 652)
(Jahrestage, Ffm. 2000, S. 652)
Montag, 26. März 2012
Anne-Lise Stern, Biographie
Anne-Lise Stern (*1921)
Foto: © Éditions du Seuil
Die Kinderanalytikerin Anne-Lise Stern wurde in Berlin geboren und wuchs in Mannheim auf. Sie ist die Tochter des deutschen Psychiaters Heinrich Stern, der als Jude und Marxist 1933 nach Hitlers Machtergreifung mit seiner Familie nach Frankreich floh. Anne-Lise Stern begann ein Medizinstudium, wurde aber 1944 in Paris verhaftet und über Auschwitz-Birkenau, Bergen-Belsen und Raguhn nach Theresienstadt deportiert. Sie überlebte das Konzentrationslager und kehrte 1945 nach Frankreich zurück.
Nach Kriegsende studierte sie Psychologie und absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung, zunächst bei Maurice Bouvet, dann bei Françoise Dolto und schließlich 1956 bei Jacques Lacan. Sie wurde eine Anhängerin Lacans und Mitglied der École Freudienne de Paris. In ihren Augen hat Lacan mit seiner "Rückkehr zu Freud" die Psychoanalyse nach Auschwitz neu begründet.
Anne-Lise Stern widmete sich der Behandlung von hospitalisierten Kindern, zuerst im Bichat-Krankenhaus und dann von 1953 bis 1968 im Pariser Hôpital des Enfants Malades, wo sie mit Jenny Aubry zusammenarbeitete. Inspiriert durch die 68er Studentenbewegung, gründete sie 1969 in Paris das Laboratoire de psychanalyse für mittellose Patienten, das sie mit deutschem Wiedergutmachungsgeld finanzierte. Von 1972 bis 1978 war sie als Psychotherapeutin in der von Claude Olievenstein geleiteten Abteilung für Drogenabhängige am Marmottan-Krankenhaus tätig.
Als Reaktion auf das öffentliche Auftreten von Holocaust-Leugnern in Frankreich begann Anne-Lise Stern 1979 damit, Seminare zu veranstalten, in denen aktuelle Zeitdokumente auf ihre Beziehung zum Holocaust untersucht wurden. Ihr 14tägiges Seminar Camps, histoire, psychanalyse - leur nouage dans l'actualité européenne fand seit 1991 im Maison des Sciences de l'Homme in Paris statt.
1994 erschien Anne-Lise Sterns Buch Le savoir-déporté, das neben Aufsätzen aus den Jahren 1963 bis 2003 auch einen Bericht über ihre Erfahrungen im Konzentrationslager enthält.
Nach Kriegsende studierte sie Psychologie und absolvierte eine psychoanalytische Ausbildung, zunächst bei Maurice Bouvet, dann bei Françoise Dolto und schließlich 1956 bei Jacques Lacan. Sie wurde eine Anhängerin Lacans und Mitglied der École Freudienne de Paris. In ihren Augen hat Lacan mit seiner "Rückkehr zu Freud" die Psychoanalyse nach Auschwitz neu begründet.
Anne-Lise Stern widmete sich der Behandlung von hospitalisierten Kindern, zuerst im Bichat-Krankenhaus und dann von 1953 bis 1968 im Pariser Hôpital des Enfants Malades, wo sie mit Jenny Aubry zusammenarbeitete. Inspiriert durch die 68er Studentenbewegung, gründete sie 1969 in Paris das Laboratoire de psychanalyse für mittellose Patienten, das sie mit deutschem Wiedergutmachungsgeld finanzierte. Von 1972 bis 1978 war sie als Psychotherapeutin in der von Claude Olievenstein geleiteten Abteilung für Drogenabhängige am Marmottan-Krankenhaus tätig.
Als Reaktion auf das öffentliche Auftreten von Holocaust-Leugnern in Frankreich begann Anne-Lise Stern 1979 damit, Seminare zu veranstalten, in denen aktuelle Zeitdokumente auf ihre Beziehung zum Holocaust untersucht wurden. Ihr 14tägiges Seminar Camps, histoire, psychanalyse - leur nouage dans l'actualité européenne fand seit 1991 im Maison des Sciences de l'Homme in Paris statt.
1994 erschien Anne-Lise Sterns Buch Le savoir-déporté, das neben Aufsätzen aus den Jahren 1963 bis 2003 auch einen Bericht über ihre Erfahrungen im Konzentrationslager enthält.
- SCHRIFTEN
- Un lapsus de SS. Nouvel Observateur vom 3.6.1969 + in Stern, Le savoir-déporté, 2004
- Passe - du camp chez Lacan. Passe - Vom Lager zu Lacan. In J. Prasse und C.-D. Rath (Hg.): Lacan und das Deutsche. Die Rückkehr der Psychoanalyse über den Rhein. Freiburg 1994, 203-216
- "Mending" Auschwitz, through psychoanalysis? Strategies. Journal of theory, culture
- and politics Nr. 8, 1995/96
- La France hospitalière - Drancy avenir. Essaim Nr. 1, 1998, 139-149
- Früher mal ein deutsches Kind...passée du camp chez Lacan. Versuch einer Hinübersetzung. Berliner Brief Nr. 2, 1999
- Point de suture [Über den Film "La vie est belle" von R. Benigni]. Carnets de l'Ecole de psychanalyse Sigmund Freud Nr. 21/22, 1999
- Psychanalyste après Auschwitz. Essaim Nr. 4, 1999
- Le savoir-déporté. Camps, histoire, psychanalyse. Paris 2004; 2007
- LITERATUR UND LINKS
- Broudic, Jean-Yves: Naître après. À propos du livre: "Le savoir-déporté. Camps, Histoire, Psychanalyse", par Anne-Lise Stern. freud-lacan.com 2007 (9.4.2008)
- Dorland, Michael: Psychoanalysis after Auschwitz? The "Deported Knowledge" of Anne-Lise Stern. Other Voices 2 (3), 2005 (30.8.2010)
- Fresco, Nadine, und Martine Leibovici: Entendre. Une vie à l'œuvre. In Anne-Lise Stern: Le savoir-déporté. Paris 2004
- Millot, Catherine: Présentation du livre d'Anne-Lise Stern: Le savoir-déporté. Essaim Nr. 13, 2004, 179-184
- Roudinesco, Elisabeth: Histoire de la psychanalyse en France, Bd. 2: 1925-1985. Paris 1986; 1994 [Jacques Lacan & Co. A History of Psychoanalysis in France, 1925-1985. Chicago 1990]
- FOTO aus Stern, Le savoir-déporté, 2007
Quelle: http://www.psychoanalytikerinnen.de/frankreich_biografien.html#Stern
Montag, 12. März 2012
Dienstag, 6. März 2012
Eric Laurent,Lost in Cognition
Eric Laurent,Lost in Cognition, p. 10:
„Certain psychanalyste encouragent leurs collègues á suivre la même voie que la psychologie. Il y aurait de la place, dans la diversité des modèles de cognition pour les processus inconscients freudienne. Certains pensent que le temps est venu de la traduction des processus subjectifs en termes de réseau neuronal. Telle est l'erreur de théoricien du cognitivisme, mais aussi celledes partisans de la psychanalyse cognitivist, qui pensent que les neuroscience ne feront en fait que confirmer les découvertes freudienne et lacanienne.
„Certain psychanalyste encouragent leurs collègues á suivre la même voie que la psychologie. Il y aurait de la place, dans la diversité des modèles de cognition pour les processus inconscients freudienne. Certains pensent que le temps est venu de la traduction des processus subjectifs en termes de réseau neuronal. Telle est l'erreur de théoricien du cognitivisme, mais aussi celledes partisans de la psychanalyse cognitivist, qui pensent que les neuroscience ne feront en fait que confirmer les découvertes freudienne et lacanienne.
Lacan, Sem. 17
Heben wir unterdes hervor, daß in der Struktur des sogenannten Diskurses des Analytikers dieser, Sie sehen es, zum Subjekt sagt: »Nur zu, sagen Sie alles, was Ihnen durch den Kopf geht, und sei es auch noch so gespalten, und bewiese es auch noch so offensichtlich, daß Sie entweder nicht denken oder [123] überhaupt nichts sind, das geht, was Sie produzieren, wird immer zulässig sein«.
Seltsam. Seltsam aus Gründen, die wir zu bestimmen haben werden, die wir aber schon jetzt skizzieren können.
Auf der oberen Zeile der Struktur des Diskurses des Herrn haben Sie eine grundlegende Beziehung sehen können, die, um uns rasch auszudrücken, diejenige ist, die das Band des Herrn mit dem Knecht ausmacht, vermittels dessen, Hegel dixit, der Knecht ihm mit der Zeit seine Wahrheit beweisen wird – vermittels dessen auch, Marx dixit, er die ganze Zeit damit beschäftigt sein wird, seine Mehrlust zu schüren.
Warum schuldet er diese Mehrlust dem Herrn? Das genau ist getarnt. Was auf der Ebene von Marx getarnt ist, das ist, daß der Herr, dem diese Mehrlust geschuldet ist, auf alles verzichtet hat, und zuvörderst aufs Genießen, weil er sich dem Tod ausgesetzt hat und weil er in dieser Stellung, die Hegel klar artikuliert hat, ganz fixiert bleibt. Zweifellos hat er den Knecht der Verfügung über seinen Körper beraubt [privé], das aber ist ein Nichts, denn er hat ihm das Genießen gelassen.
Wie gerät das Genießen in den Zugriff des Herrn?
Seltsam. Seltsam aus Gründen, die wir zu bestimmen haben werden, die wir aber schon jetzt skizzieren können.
Auf der oberen Zeile der Struktur des Diskurses des Herrn haben Sie eine grundlegende Beziehung sehen können, die, um uns rasch auszudrücken, diejenige ist, die das Band des Herrn mit dem Knecht ausmacht, vermittels dessen, Hegel dixit, der Knecht ihm mit der Zeit seine Wahrheit beweisen wird – vermittels dessen auch, Marx dixit, er die ganze Zeit damit beschäftigt sein wird, seine Mehrlust zu schüren.
Warum schuldet er diese Mehrlust dem Herrn? Das genau ist getarnt. Was auf der Ebene von Marx getarnt ist, das ist, daß der Herr, dem diese Mehrlust geschuldet ist, auf alles verzichtet hat, und zuvörderst aufs Genießen, weil er sich dem Tod ausgesetzt hat und weil er in dieser Stellung, die Hegel klar artikuliert hat, ganz fixiert bleibt. Zweifellos hat er den Knecht der Verfügung über seinen Körper beraubt [privé], das aber ist ein Nichts, denn er hat ihm das Genießen gelassen.
Wie gerät das Genießen in den Zugriff des Herrn?
Freitag, 2. März 2012
Marie-Claire Lambotte MANIE /in: Kaufmann, Pierre, L'apport freudien, pp. 296
Es ist also nicht nur gestattet, sondern sogar geboten, eine analytische Aufklärung der Melancholie auch auf die Manie auszudehnen. Freud, T.u.M.
Marie-Claire Lambotte
MANIE /in: Kaufmann, Pierre, L'apport freudien, pp. 296
MANIE /in: Kaufmann, Pierre, L'apport freudien, pp. 296
„La Manie n'a pas d'autre contenu que la mélancholie.“ (Freud, Trauer und Melancholie)
Hervorgebracht in Berührung mit der manisch-depressiven Psychose und der Melancholie, bildet die Manie die invertierte Phase dieser beiden Erkrankungen, die man mit Freuds Figur eines „Triumph des Ich“ benennen könnte. Ganz im Gegensatz zum depressiven Zustand präsentiert sich die Manie als Zustand der Exaltation des Kranken, der sich sehr für alles,
[297]
[297]
was vor seinen Augen geschieht, interessiert, ohne sich dabei auf ein besonderes der Individuen oder Dinge konzentrieren zu können. Die Ideen fliegen eine um die andere vorbei, ohne sich von der Aufmerksamkeit meistern zu lassen (suite incessante d'idées), eine um die andere und ohne Distinktion. Es war Binswanger, der in einer Artikelserie (erschienen in Archive suisses von 1931-1933) die fuite des idées als Kernsymptom der Manie herausgearbeitet hatte,
Gemeinsam mit dem melancholischen Subjekt erweckt das manische den Eindruck jener „Nivellierung“ von Dingen wie Menschen, manque de relief, Devitalisierung der Welt – in jener Geschwindigkeit und Beliebigkeit (volatilité) von einer zur anderen Idee, ohne einer beliebigen einen bestimmten Wert beizumessen. Mit anderen Worten, während es scheint, es (S) sei an allem interessiert, interessiert es sich in Wirklichkeit für ganz und gar Nichts, lässt die Assoziationen nach einer regressiven Logik (Gleichklänge, Kontigenzen) aufeinander folgen.
Ohne Zweifel ist diese Labilität der Aufmerksamkeit der Ähnlichkeit geschuldet, die der manische Rapport mit dem melancholischen aufweist: das Besetzungsobjekt kann nicht in eine veritable (véritable) Verbindung mit dem Sujet de Manie eintreten, sondern erledigt dies in einer Art „Kontaktbulimie“ (boulimie de contacts), innerhalb derer sich einer vom anderen nicht hinreichend abheben//unterscheiden kann.
Auch die Manie, wenn man sie hier als eine Verlängerung der Melancholie ansehen möchte, bietet keine Auf/lösung, sondern vielmehr eine Variante des gleichen psychopathologischen Komplexes, dessen Originalität auf einen Effekt der „Befreiung des Ich“ beruht.1
1„maîtriser ou écarter le complex princ. de la mélancholie“ (Aktivum vom Übers.)
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Donnerstag, 9. Februar 2012
André Green ist tot
André Green, französicher Psychoanalytiker, *12. März 1927 in Kairo, starb am 22. Januar 2012 in Paris. (48° 51′ N, 2° 21′ O)
Die Angst, die magersüchtige Frauen in Augenblicken äußern, in denen sie von einer Art Verschwinden fasziniert werden, reproduziert den Schreck von damals, als sie dachten, die Mutter würde sie in ihrer Leere mit sich fortziehen. Dieser Schreck ist nach Bion ein "namenloser Schreck" oder nach André Green eine Identifizierung mit der "toten Mutter" und das Streben nach der Einheit mit ihr in einer gegenseitigen Erfüllung nicht der Lebenstriebe, sondern des Nirvanaprinzips , "jede Erregung auf Null zurückzuführen." Für magersüchtige Frauen wird der Tod vollkommen mit der Mutter identifiziert. Sie ist die Todbringende. "Ich trage meine Mutter in mir", denken sie unbewußt. "Sie verläßt mich nicht, und kein anderer kann ihren Platz einnehmen, meine Scheide ist tot."
Alle Öffnungen sind Einbrüchen ausgeliefert und müssen daher geschlossen bleiben. Die Anorexie wird zum Zeichen eines unaufhörlichen Kampfes gegen eine Einkerkerung und einen todbringenden Übergriff in einer Dialektik zwischen Eindringen und Deprivation. Bei magersüchtigen Frauen, die an Vaginismus leiden, finden wir immer wieder die unbewußte Phantasie der aufdringlichen, vergewaltigenden Mutter. Dennoch weist Vaginismus meist auf vorzeitige sexuelle Verführungserlebnisse hin, bei denen die Initiative von anderen ausging (allgemein von einem inzestuösen Erwachsenen), von einfachen verbalen Annäherungen oder Gesten bis zu einem mehr oder weniger ausgeprägten sexuellen Attentat, die vom Subjekt passiv und mit Schrecken erlitten wurden. Und wo war derweil die Mutter?
Durch das Erbrechen meint das magersüchtige Subjekt, es würde über eine imaginäre Allmächtigkeit, über eine verborgene Waffe verfügen, die die Verweigerung und die Aufhebung des "Ja" durch das "Nein" ermöglicht. Es kämpft um die Illusion, daß der "Sexualschreck", diese schmutzige "Bestie", von dem es besessen ist, weggespült werden kann. Die Magersucht und die Eß-Brechsucht ist eine Reise, von der das Subjekt nicht zurückkehrt und die keine Spuren hinterläßt.
aus:
aus:
Patricia Bourcillier: Magersucht & Androgynie, Paris, 2011 (?). Merci! |
NPD im Regen, Wahlkampf am Greifswalder Flutgraben (Schönwalde II)
Leserbrief vom 01.08.2011 01:20
Zum NPD-Wahlkampf u. a. am 30. Juli in Greifswald
Die NPD bringt ja Arbeitsmarktthesen, die so auch von der Danske Folkeparti vertreten werden, und ihnen sicherlich einge Stimmen einbringen dürften – hoffentlich nicht genug. Aber sie bringen die Ängste einer in MV gar nicht so kleinen Gruppe realistisch auf den Punkt, auch wenn die Lösungsvorschläge allenfalls für eine Bundesrepublik der 80ziger Jahre realistisch wären. Aber eigentlich sollte man sie diese Thesen vortragen lassen.
Wäre da nicht die ungeheure Verleugnung der Shoa. Ich schreibe Verleugnung, nicht Leugnung, weil man Pastörs und Anhang sicherlich eine Anerkennung des Holocaust abringen könnte. Aber sie verleugnen die Shoa, und träumen den Traum von einem Deutschland vor dem Ende der Wannseekonferenz. Aber Pastörs zu ermöglichen, von der „Judenrepublik“ zu reden – nachzuhören auf panorama.de – wo doch so viele getötet wurden, daß man auf jede jüdische Persönlichkeit, so wenige wie es sind, mit einem kleinen Aufatmen reagiert, dem Aufatmen, daß einige überlebt haben, nicht alle verbrannt (worden) sind, geht es nicht zu weit? Bemerkenswert, daß die Lieblingssprache dieses Mannes offenbar das Jiddische ist, „mishpoke“ nennt er die Unterstützer jenes Greifswalder Stadtrates, der ihm den gewünschten
Demonstrationsweg verbauen möchte. Verleugnung ist in der Psychanalyse der Abwehrmodus der Perversion – etwas ganz und gar genießen, ohne im mindesten als Subjekt dafür einzustehen. Sehr viele, aber nicht alle sind verbrannt, aber die Brücke des Jiddischen zwischen den Ostsprachen und der Reichssprache ist wohl endgültig zerbrochen. Ich zitiere meinen Eltern gegenüber ein jiddisches Lied (von Mordechai Gebirtig in der Version von Iva Bittova), sei erschrecken und werden blass ob der fremden, fernen Nähe und Verständlichkeit.
Dienstag, 20. September 2011
Malíři v Paříži
While reading how Rilkes Danish man in Paris, Malte, commented on women in dresses with a long bottom line on the back, always some upper lot of them unbuttoned since dressing up alone had not been on the plan of those who designed nor – possibly –these women wearing them, I am looking forward to Iva Bittova performing with David Zambrano. I'm caught surprised hearing from Iva after the performance that she did not even meet David before that night, where they danced and played an intimate lost and found of devoted lovers, intimate despite the solititude David sometimes had incorporated in what I then learned were improvisations. Only when, after Iva was singing for a long while, David had intoned a few tunes, the couple get in touch in a more conventional way. How peculiarly sound and even more voice is about command and relation! Without feeling too well, I have to go to H.C. Andersens Odense the day after tomorrow, hoping that this time hysteria, that seems rampant around the network project, will be the successful or at least acknowledgeable one. Perhaps there is not much hope these days as the Danish condition is somewhat shallow and of short-living hope. That was my impression in that election night last Thursday when I saw a tremendous number of party people in high spirits despite of considerable losses in votes.
Dienstag, 23. August 2011
Die ersten Sätze.
Die ersten Sätze
für U.
für U.
The sea is high again today, with a thrilling flush of wind. Lawrence Durrell, Justine
Lange Wellen treiben schräg gegen den Strand, wölben Buckel mit Muskelsträngen, heben zitternde Kämme, die im grünsten Stand kippen. Uwe Johnson, Jahrestage
Geboren und aufgewachsen bin ich in einer kleinen, niedrigen Erdgeschoßwohnung von etwa dreißig Quadratmetern. Amos Oz, Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist. Jonathan Littell, Die Wohlgesinnten
Wenn ich den Sommer besuchen will, habe ich es nicht weit. Joachim Gauck, Winter im Sommer – Frühling im Herbst
Indgangen fra Vesterbrogade til Westend var en smal port mellem en elegant møbelforretning og en lille snusket aviskiosk. Kirsten Thorup, Himmel og Helvede
Am Anfang stand für mich der Mythos, Hirschfelder, die Schriftsteller-Ikone, der große Einsame, der Monolith, wie es hieß, der seit dem Krieg in England ausharrte und an seinem Meisterwerk schrieb. Norbert Gstrein, Die englischen Jahre
So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier. Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Laurids Madsen havde været i Himlen, men kom ned igen takket være sine støvler. Carsten Jensen, Vi, De Druknede.
Es war ein Sommer und den ganzen Sommer lang Tage, an denen ich mich ärgerte, zu spät aus dem Bett gekommen zu sein, zu spät heraus aus dem Haus, so spät, daß es mich kaum erfrischte, aber weshalb auch, der Morgen verjagte meine Müdigkeit jeden Tag, wenn es noch nicht zu spät war, nicht so spät, daß ich schon ermüdete, wenn es schon wieder auf Mittag zuging, und wenn es mir zu langsam meinen Weg hinunterging. Wolfgang Hilbig, Aufbrüche
Det er noget arketypisk ved en telefon, der ringer sent om natten. Mark Ørsten, Venner og fjender
Die Stadt ist von zwei Menschenkategorien bevölkert, von Geschäftemachern und ihren Opfern, dem Lernenden und Studierenden, nur auf die schmerzhafte, einen jeden Lärm störende, mit der Zeit verstörende und zerstörende, sehr oft nur auf die heimtückisch-tödliche Weise bewohnbar. Thomas Bernard, Die Ursache, eine Andeutung
The southbound train from Paris was the one we had always taken from time immemorial – the same long slowcoach of a train, stringing out its bluish lights across the twilight landscapes like some super-glow worm. Lawrence Durrell, Monsieur or The Prince of Darkness
Schnee ist das erste, woran ich mich erinnere. Peter Wawerzinek, Rabenliebe
Landscape tones: brown to bronze, steep skyline, low cloud, pearl ground with shadowed oyster and violet reflections. Lawrence Durrell, Balthazar
Als ich zur Tür ging, drehte sich alles in mir. Brigitte Reimann, Die Geschwister
Jeg har altid været bange for morfar og ikke andet end bange. Knud Romer, Den Som Blinker Er Bange For Døden
The branches were strewn above them like distorted mosaics of crucifixions, the hawthorn bushes blocking out the few isolated stars to ensnare them within a crooked universe of twigs and briars. Dermot Bolger, The Journey Home.
Neunzehnhundertsiebenundsechzig legte mir auf der Baumgärtnerhöhe eine der im dortigen Pavillon Hermann unermüdlich tätigen geistlichen Schwestern meine gerade erschienene Verstörung, die ich ein Jahr vorher in Brüssel in der rue de la croix 60 geschrieben habe, auf das Bett, aber ich hatte nicht die Kraft, das Buch in die Hand zu nehmen, weil ich ein paar Minuten vorher erst aus einer mehrstündigen Narkose aufgewacht war, in die mich jene Ärzte versetzt hatten, die mir den Hals aufschnitten, um aus meinem Brustkorb einen faustgroßen Tumor herausoperieren zu können. Thomas Bernard, Wittgensteins Neffe.
Schon ehe der Mann mit der Kapitänsmütze aufgetaucht war, hatte sich eine vorahnende Beunruhigung an dem Knaben Etzel gezeigt. Jakob Wassermann, Der Fall Maurizius.
In meiner frühesten Kindheitserinnerung sehe ich mich unter einem runden Tisch mit einem Blechclown spielen, der auf einem Karren sitzt und beim Fahren auf einen Esel einschlägt. Valentin Senger, Kaiserhofstraße 12.
Der Sommer hatte spät begonnen. Iris Hanika, Treffen sich zwei.
Zwei Tage lang hatte er wie tot auf seinem Büffelledersofa gelegen. Eugen Ruge, In Zeiten des abnehmenden Lichts.
'My gentle one,' Mr. Karl Kopfrkingl said to his beautiful, blackhaired wife on the threshold of the Predator's House, as a faint early spring breeze stirred his hair, 'so here we are again. Ladislav Fuks, The Cremator.
Nami schwitzt. Bianca Bellová, Am See.
Togets cylinder bøjer og vrider sig langsomt og i ryk der tilter de sovende passagerers hoveder fra side til side, samt flammen i kupéens paraffinlampe, den presser sig ind i mørket, trækker to slør efter sig, én af damp og én af kulos, jernet hamrer og banker, ujævnt og snubblende, stigende og faldende i klang, og Kaj, der ikke sover, vækker sin bror Ib, fordi han har brug for at snakke, og siger: Hør, Ib. Kim Leine, Afgrunden.
In diesen Roman geriet ich aus Versehen oder vielmehr durch eine Bequemlichkeit. Christoph Hein, Trutz.
Das Haus, das ich suchte, sah ganz nett aus, vor der Haustür stand eine Gaslaterne, der Gehsteig, früher mit Pflastersteinen belegt, war offenbar schon vor längerem aufgerissen und jetzt erst wieder zugeschüttet worden. Bohumil Hrabal, Hochzeiten im Hause.
Sie besucht mich oft, meist kommt sie in der Nacht. Peter Stamm, Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt.
Adolf Hitler hat mir das Leben gerettet. Jaroslav Rudiš, Nationalstrasse.
'My gentle one,' Mr. Karl Kopfrkingl said to his beautiful, blackhaired wife on the threshold of the Predator's House, as a faint early spring breeze stirred his hair, 'so here we are again. Ladislav Fuks, The Cremator.
Nami schwitzt. Bianca Bellová, Am See.
Togets cylinder bøjer og vrider sig langsomt og i ryk der tilter de sovende passagerers hoveder fra side til side, samt flammen i kupéens paraffinlampe, den presser sig ind i mørket, trækker to slør efter sig, én af damp og én af kulos, jernet hamrer og banker, ujævnt og snubblende, stigende og faldende i klang, og Kaj, der ikke sover, vækker sin bror Ib, fordi han har brug for at snakke, og siger: Hør, Ib. Kim Leine, Afgrunden.
In diesen Roman geriet ich aus Versehen oder vielmehr durch eine Bequemlichkeit. Christoph Hein, Trutz.
Das Haus, das ich suchte, sah ganz nett aus, vor der Haustür stand eine Gaslaterne, der Gehsteig, früher mit Pflastersteinen belegt, war offenbar schon vor längerem aufgerissen und jetzt erst wieder zugeschüttet worden. Bohumil Hrabal, Hochzeiten im Hause.
Sie besucht mich oft, meist kommt sie in der Nacht. Peter Stamm, Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt.
Adolf Hitler hat mir das Leben gerettet. Jaroslav Rudiš, Nationalstrasse.
I fist met Dean not long after my wife and I split up. Jack Kerouac, On The Road.
Samstag, 20. August 2011
Donnerstag, 4. August 2011
Ich lerne sehen...
Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wußte. Alles geht jetzt dorthin. Ich weiß nicht, was dort geschieht. Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, S. 9.
Mittwoch, 3. August 2011
2. August
F.A.Z. vom 30. Juli
Gedenktag für Völkermord an Roma – Polen hat einen nationalen Gedenktag für die Opfer des deutschen Völkermordes an den Roma und Sinti eingeführt. Dieser findet ab sofort am 2. August statt. Das beschloss das polnische Parlament am Freitag mit 419 gegen eine Stimme. Am 2. August 1944 hatten die Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau das sogenannte „Zigeunerlager“ aufgelöst und in der folgenden Nacht die letzten rund 3000 Häftlinge in Gaskammern ermordet. Der Leiter des Menschenrechtsbüros der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Janez Lenarcic, rief die anderen Mitgliedsstaaten auf, dem „polnischen Vorbild“ zu folgen und ebenfalls einen solchen Gedenktag einzuführen. Insgesamt starben in Auschwitz-Birkenau mehr als 20 000 Roma und Sinti. Bereits seit 18 Jahren wird in der dortigen Gedenkstätte am 2. August der Opfer gedacht. (KNA)
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